Delmenhorster Kreisblatt 12.6.2009
regioVHS als Zugpferd bei Kooperationsprojekt
Berufsbezogene Sprachförderung für Migranten im Blick
Vorerst für ein Jahr läuft das Sprachprojekt unter Führung der regioVHS. Damit soll Migranten der Einstieg ins Berufsleben geebnet werden.
Von Frank Hethey
Ganderkesee·Delmenhorst. Das Dilemma ist immer wieder das Gleiche: Viele Migranten erhalten relativ problemlos die deutsche Staatsbürgerschaft, scheitern dann aber mit dem Einstieg ins Berufsleben. Anders als vielfach angenommen liegt das aber nicht an fehlender Qualifizierung oder völlig unzureichenden Sprachkenntnissen. Sondern an Defiziten in der beruflichen Fachsprache. Um diesen Stolperstein auf dem Weg in die Integration zu beseitigen, haben jetzt vier regionale Bildungsträger unter Federführung der regioVHS Ganderkesee-Hude erstmals gemeinsam Initiative ergriffen. ,,Diese Kooperation ist möglicherweise zukunftsweisend”, sagte regioVHS-Leiter Rolf Schütze gestern bei einem Pressegespräch im Alten Rathaus.
Der Stein kam ins Rollen, als das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im August vergangenen Jahres mit Hilfe von Fördermitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) ein Projekt zur berufsbezogenen Sprachförderung ausschrieb. Darauf bewarb sich die regioVHS als Träger eines Kooperationsprojekts mit dem Berufsbildungswerk Ganderkesee sowie den beiden Volkshochschulen Wildeshausen und Delmenhorst. Mit Erfolg, das Netzwerk erhielt den Zuschlag für ein Gebiet, das die Landkreise Oldenburg und Cloppenburg sowie die Städte Oldenburg und Delmenhorst umfasst. ,,Ich freue mich, dass sich die regioVHS auf das Wagnis eingelassen hat, sich im Feld der berufsbezogenen Sprachförderung zu positionieren”, sagte BAMF-Sachbearbeiter Michael Helbig.
In Oldenburg und Delmenhorst haben die ersten beiden Kurse bereits vor zweieinhalb Wochen begonnen, in Wildeshausen und Ganderkesee ist der Start für Mitte Juli vorgesehen. Damit liegen die vier Partner in Niedersachsen ganz weit vorn, die meisten anderen Anbieter hinken zeitlich deutlich hinterher.
Ein Kurs dauert jeweils sechs Monate und besteht aus verschieden stark gewichteten Bausteinen. Den Hauptanteil macht der berufsbezogene Sprachunterricht aus, daneben sind unter anderem auch ein Praktikum und drei Betriebsbesichtigungen geplant.Projektleiterin Doris Hanken rechnet mit fünf bis sechs Kursen pro Jahr.
Anders als ursprünglich beabsichtigt finden sich in den jeweiligen Kursen nicht nur Teilnehmer aus einer Berufsgruppe zusammen. Aus rein praktischen Gründen ist vielmehr der Wohnort entscheidend. Ein ernsthaftes Problem sieht BAMF-Mitarbeiter Helbig darin nicht – ein Großteil der Kursteilnehmer komme ohnehin aus dem gewerblich-technischen Feld. Vorgeschlagen werden die Teilnehmer von den Arbeitsagenturen.
Für den Anfang ist das Projekt für ein Jahr angelegt, es läuft im Januar 2010 aus. Insgesamt hat das BAMF aber eine dreijährige Projektdauer im Visier. Deshalb sind bereits im Herbst dieses Jahres neue Ausschreibungen geplant. Dass die regioVHS ihren Hut dann wieder in den Ring werfen wird, ist schon jetzt klar.




